Gastronomie versteht sich nicht als Wellenbrecher für steigende Infektionszahlen

Ab Montag schließt die Gastronomie in Deutschland. Darunter Clubs, Bars, Kneipen, Restaurants und auch viele Hotels. Das Gastgewerbe und sein Verband (DEHOGA) empfinden dies als ein ungerechtes, unverhältnismäßiges Mittel, um die steigenden Infektionszahlen in den Griff zu bekommen. Es ist bekannt, dass die letzten Infektionsherde, genannt „Spreader“, von privaten Wohnungen und dort veranstalteten Parties ausgingen und nicht aus Restaurants oder Bars. Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, Gereon Haumann, äußerte sich zu den jüngsten Regelwerken aus Berlin: „Wir sehen im Lockdown des Gastgewerbes einen Irrweg. Daher haben wir an die Landesregierung den dringenden Appell gerichtet, in Rheinland-Pfalz – wie schon beim Verzicht auf das Beherbergungsverbot – einen eigenen, sinnvolleren und rechtssicheren Weg zu gehen. Die Gastronomie mit ihren gut funktionieren Hygienekonzepten und sicheren Räumen sollte, gerade in den nächsten Wochen für die Bevölkerung als sicherer und kontrollierter Treffpunkt geöffnet bleiben.“
Die Entscheidungen, die Kanzlerin Merkel und die Länderchefs verabschiedet hätten, wäre für die Branche desaströs. Nicht nur für die Unternehmer und Betreiber, sondern auch für die vielen Mitarbeiter, deren Existenz jetzt erneut bedroht würde, erläutert Haumann weiter.

Die Gastronomie hat in den letzten Monaten viel in funktionale Hygiene-Konzepte investiert, um die Verluste aus dem Frühjahr zu kompensieren. Die Räume wurden – nach den Empfehlungen und Hygienevorschriften – umgebaut, die Mitarbeiter sind, schon aus Selbstschutz heraus, sensibel und informieren die Gäste in vollem Umfang; was erlaubt und was verboten ist. „Unsere Gäste verstehen überhaupt nicht, warum wir erneut schließen sollen. Sie haben absolut keine Geduld mehr mit solchen – in Teilen unverständlichen und sinnbefreiten – Regelwerken, die uns an den Rand der Insolvenz treiben. Zu unseren Gästen gehören viele alte Menschen, die bei uns täglich zum Mittag- und Abendessen erscheinen. Ich schaue in entsetzt-panische Gesichter alter Menschen, die jetzt nicht wissen, wie sie sich versorgen sollen. Wir haben darauf reagiert und bieten einen Lieferservice, bzw. eine Abholung an, aber viele andere Gastronomen schließen einfach zu, gerade die welche von der Laufkundschaft abhängig sind, oder von Kaffee und Kuchen leben“, erzählt uns Carolilna Widén, Servicekraft in der „Peter&Silie“ in Ingelheim.

„Schauen Sie sich um! Das Hygienekonzept hier funktioniert perfekt! Ich fühle mich sicher, weil ich mit eigenen Augen sehen kann wie gründlich und sorgfältig die Crew in der Peter&Silie für die Sicherheit der Gäste sorgt. Diese Gewissheit habe ich nicht, wenn ich am Samstag auf einer privaten Party bei Freunden erscheine. Trotzdem geh ich hin, denn wer weiß wann ich wieder unter Menschen komme. Es glaubt doch keiner, der bei klarem Verstand ist, dass es am Ende bei vier Wochen bleibt“, wirft der Gast Thomas Schneider ein, der das Interview verfolgt hatte.

Die Zahlen des RKI (Robert-Koch-Institut) belegen klar, dass Hotellerie und Gastronomie keine Infektionstreiber sind, was die Frage durchaus zulässt, weshalb diese Branche jetzt geschlossen werden soll. Dabei ist auffällig, dass zwar die Zahlen des RKI gern zitiert werden, doch kaum auf die Empfehlungen gehört wird, die mit diesen Zahlen einhergehen. Laut den Virologen finden lediglich 0,5 Prozent der Ansteckungen in Gaststätten statt.

Dazu Gereon Haumann: „Wenn die Politik ihren eigenen Vorgaben nicht mehr traut, verliert sie an Glaubwürdigkeit und Maßnahmen erscheinen willkürlich. Das gesellschaftliche Klima verändert sich gerade merklich, die Akzeptanz für das politische Handeln schwindet. Wir waren und sind uns der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung für das hohe Gut Gesundheit der Bevölkerung stets bewusst. Gerade deshalb fordern wir geeignete, erforderliche und angemessene Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.“

Am Freitag erwartet man die Regierungserklärung von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin, Malu Dreyer (SPD). In diesem Zusammenhang erwartet der DEHOGA Rheinland-Pfalz von der Landesregierung den Verzicht auf die Schließung der Gastronomie und fordert eine alternative Lösung für unser Bundesland. „Sollte dies nicht möglich sein, dann werden wir den Klageweg bestreiten“, kündigt Haumann an. „Wir werden das so nicht hinnehmen!“ 

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