UNENTSCHIEDEN ?!

Die US-Wahl heute Nacht hat für keinen der Kandidaten ein eindeutiges Ergebnis gebracht. Viele Briefwähler müssen noch ausgezählt werden, in einigen Staaten gibt es noch aktuelle Zählungen und beide Kandidaten zittern dem Endergebnis entgegen. Eines ist klar es ist eine Zitterpartie und der prognostizierte Vorsprung von Joe Biden war heute Nacht nicht durch die Wähler bestätigt worden. Zum Frühstück war das Ergebnis sehr eng: 213 (Biden) zu 220 (Trump). Klar ist aber auch, dass – gerade in den urbanen Räumen – die Demokraten führend sind und sich verstärkt für eine Briefwahl entschieden haben. Auf dem Land findet man eine treue Anhängerschaft von Trump.

In der Nacht postete der amtierende Präsident bereits auf Twitter: „Sie versuchen die Wahl zu stehlen!“ Der Kurznachrichtendienst versah diese Meldung dann auch umgehend mit einem Warnhinweis.

Joe Biden hingegen bedankte sich bei den Wählern und teilte mit, dass er mit dem Ergebnis sehr glücklich sei, aber noch um Geduld bitten müsse, bis alle abgegebenen Stimmen ausgezählt seien.

Am Morgen dann die Pressekonferenz und Donald J. Trump rief sich dann auch gleich zum Wahlsieger aus und kündigte an, beim Obersten Gerichtshof dafür Sorge zu tragen, dass weitere Zählungen (bspw. Briefwahlen) umgehend eingestellt werden sollten. Ob das – trotz der Berufung der konservativen Richterin Barrett – zum Erfolg führt ist fraglich. Letztlich gibt es hierfür keinen Präzedenzfall und auch das Oberste Gericht in den USA wird sich an die Gesetze halten müssen.

Die Welt schaut fassungslos nach Amerika und erkennt: Die Spaltung in den USA ist so tiefgreifend, dass wir uns ernsthaft fragen müssen, ob es überhaupt zu einer Vereinigung als gemeinsames Volk kommen kann. Joe Biden bestärkte die Wähler darin, dass er versuchen werde auch auf die Kernwähler von Trump zuzugehen. Ob  Donald Trump überhaupt den Willen dazu entwickelt ist und bleibt fraglich. In der Vergangenheit jedenfalls schüttete er lieber Öl ins Feuer, statt auf die Menschen, beider Lager, zuzugehen. 

Dann ist da noch die Frage: Wird Trump aus dem weißen Haus ausziehen, wenn er tatsächlich verlieren sollte, bzw. eine Niederlage anerkennen? Vielleicht erleben wir, wie ein abgewählter Präsident zum „Hausbesetzer“ wird, umringt  von seinen – bis an die Zähne bewaffneten – Kernwählern unter der Headline „White House under Siege“.

Wenn es schlecht läuft bleibt das Ergebnis für Wochen offen und die Gerichte werden klären müssen wer gewonnen hat, nicht die Wähler. Sollte es soweit kommen ist es ein Armutszeugnis für die US-Demokratie. (Marc Mutert 4.11.2020)

Facebook Kommentare

Marc Mutert

Marc Mutert studierte BWL und ist seit 1993 - ausschließlich in leitenden Positionen - tätig. Seit 1996 arbeitete er für verschiedene Medienunternehmen. TV, Hörfunk, Print, Online, Social Media, Out of Home und Live-Kommunikation. ....mehr über Marc Mutert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.