Aufgrund meiner Herkunft habe ich kaum eine Chance, den Krebs zu besiegen – so könnt ihr mir helfen

Als ich in einer Woche im September 2018 Halsschmerzen bekam, war Krebs sicher der letzte Gedanke, der mir in den Sinn kam. Mein Leben ging seinen normalen Lauf. Ich hatte Termine, kaufte ein, holte meine Kinder ab. Die Schmerzen wurden stärker. An einem Freitag ging ich zum Arzt. Er verordnete mir Halstabletten und Ruhe.

Über das Wochenende bekam ich Fieber und fühlte mich sehr schwach. Am Montag machte mein Arzt einen Bluttest. Wenig später kam der Anruf, der mein Leben veränderte. Ein Wort, mit dem ich niemals gerechnet hätte. Leukämie. Meine Blutergebnisse könnten darauf hinweisen. Ich solle sofort für weitere Tests ins Krankenhaus fahren.

Ich war mir sicher, es muss eine Verwechslung sein. Das Labor muss meine Blutprobe vertauscht haben. Doch nach einer Stunde in der Klinik wurde die Diagnose bestätigt: Akute Myeloische Leukämie. Das ist eine besonders aggressive Form von Blutkrebs. Die Überlebensrate liegt bei weniger als 50 Prozent. Die Ärzte drängten mich, sofort mit der Chemotherapie zu beginnen.

Der Gedanke, meine Kinder nicht aufwachsen zu sehen, ist unerträglich 

Krebs. Chemotherapie. Ich dachte an meine Kinder. Der Gedanke, sie nicht aufwachsen zu sehen, ist für mich absolut unerträglich. Werde ich sie auf ihrem Weg weiter begleiten können?  

Ich dachte an meinen Mann. Unsere Familie hatte bereits einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Mein Mann war an einem Tag vor fünf Jahren mit dem Motorroller unterwegs, als ein Auto plötzlich eine Wendung machte und ihn erfasste. Er ist seitdem querschnittsgelähmt.

Aber er hat überlebt. Mit einem unglaublichen Lebensmut und bewundernswerter Stärke. Und mit der Fähigkeit, Hilfe anzunehmen. Er ist ein großes Vorbild für mich. Wir haben gelernt, dass man alles überstehen kann. Wir wissen heute, dass das Leben auch unter veränderten Bedingungen sehr lebenswert sein kann. Mit diesem Kampfgeist begann ich meine Chemotherapie. Ich war mir sicher: ich würde das überleben.

Mir fielen die Haare aus. Wegen starker Schmerzen hing ich über Wochen am Morphiumtropf. Dazu kam die große Schwäche. Aber im Vergleich zu anderen Patienten waren meine Nebenwirkungen zum Glück eher harmlos. Und die Chemotherapie schlug an. Zunächst sah alles sehr gut aus. Die kranken Zellen wurden zurückgedrängt.

Leider sollte der Erfolg der Behandlung nicht von Dauer sein. Im Januar 2019 wurde klar: Die Chemotherapien reichen nicht aus. Ich werde eine Stammzellspende benötigen, um diesen Krebs schlagen zu können.

Ich sollte in den darauffolgenden Wochen eine sehr umfangreiche Lektion zum Thema Stammzellspenden erhalten. Schnell merkte ich, wie viele Missverständnisse es leider gibt.

Es gibt sehr viele Missverständnisse, die dringend aufgeklärt werden müssen 

Mein Mann und ich lernten, dass es für mich sehr schwer ist, einen geeigneten Spender zu finden. Grund dafür ist meine ethnische Herkunft. Ich bin halb Nigerianerin, halb Deutsche. Mein Vater stammt von der Volksgruppe der Igbo. Bis zu dem Zeitpunkt war uns nicht bewusst, dass der ethnische Hintergrund für die Spende eine Rolle spielt. Zu wenige Menschen wissen das.

Damit eine Stammzelltransplantation erfolgreich sein kann, müssen bestimmte Gewebemerkmale bei Spender und Empfänger nahezu identisch sein. Die Wahrscheinlichkeit, einen solchen “genetischen Zwilling” zu finden, ist grundsätzlich sehr gering. Doch inzwischen sind mehr als 30 Millionen Menschen weltweit als Stammzellspender registriert. Dadurch finden sehr viele Patienten inzwischen auch ihren Spender.

Leider gilt das aber nicht für alle. Einen genetischen Zwilling findet man am ehesten in einem Menschen, der dieselbe ethnische Abstammung hat wie man selbst. Doch die Stammzellregister sind bisher nicht sehr heterogen. Menschen mit “nicht-weißem” Hintergrund sind stark unterrepräsentiert. Besonders extrem ist es bei gemischten Genen. Zahlen aus Kanada zeigen, dass 70 Prozent aller Registrierten europäischer, so genannter “kaukasischer”, Abstammung sind. Einen Genmix haben nach den Zahlen weniger als drei Prozent. Noch weniger sind afrikanisch-europäisch.

Wenn ihr Astrid helfen wollt, könnt ihr euch hier registrieren.

Das ist ein unglaubliches Missverhältnis. Rund 90 Prozent unserer Weltbevölkerung gehören einer Ethnie an, die nicht rein europäisch ist. Doch sie machen nur 30 Prozent der registrierten Spender aus. Sollte nicht jeder Mensch dieselbe Chance haben, gegen Krebs zu kämpfen? Dafür müssen viel mehr Menschen von dieser Problematik erfahren. Und viel mehr müssen sich registrieren lassen.

Ich glaube an das Leben und ich werde nicht aufgeben

Ich gehe mit meiner Erkrankung offen um. Manchmal zweifle ich, ob mir das guttut. Aber ich habe keine andere Wahl, wenn ich das alles überleben möchte. Wenn ich weiter für meine Kinder und meinen Mann da sein möchte.

Ich nehme die Welt mit auf meine verzweifelte Suche nach einem Stammzellspender. Und der ist leider noch nicht gefunden. Je länger es dauert, desto schwerer fällt es mir, auch negative Gedanken zur Seite zu schieben. Doch trotz allem sind mein Lebensmut und meine Lebensfreude ungebrochen.

Für viele Menschen bedeutet Krebs ausschließlich Schatten und Dunkelheit. Krebs hängt wie eine schwarze Wolke über der Seele. Krebs macht Angst und ist bedrückend. Krebs führt einem vor Augen, dass das Leben endlich ist.

Aber wo Schatten ist, ist auch Licht. Und so glaube ich an das Leben und genieße auch glückliche Momente. Würde ich zulassen, dass mein Leben nur noch in einer schwarzen Wolke stattfindet, würde das bedeuten, dass ich mich schon aufgegeben habe. Das kann und will ich nicht.

Ich bin überzeugt, dass es auch für mich irgendwo auf dieser Welt einen Spender gibt.

Informationen, wie man mir helfen kann, gibt es auf help-astrid.com und in den sozialen Medien unter #matchmymix.